Der neue Türknauf sieht alt aus

Ein Beitrag von Martin Zacherl und Jonas Bühler.

Einige Türen im Oberhaus haben neben einer Türfalle auch einen Türknauf. Oft lassen sich die alten Türen einfacher schliessen, indem man am Türknauf zieht, als dass man die Falle betätigt. An einer der Türen im ersten Stock fehlte jedoch der Knauf. Wir haben deshalb den Kunstschmied Martin Zacherl gebeten, uns ausgehend von einem bestehenden Knauf eine Kopie anzufertigen, mit der wir den fehlenden Türknauf ersetzen können. Dieser übertraf mit seinem handwerklichen Können all unsere Erwartungen und stellte einen neuen Türknauf her, der dem Original zum Verwechseln ähnlichsieht. Ausserdem erklärte er sich bereit, uns für diesen Blog seinen Herstellungsprozess zu erläutern:

Es hat mich sehr gefreut, dass ich für die Familie Bühler den Türknauf gemäss Muster kopieren durfte. Eine möglichst identische Replik herzustellen, ist in vielen Fällen schwieriger als eine Neuanfertigung. Als Erstes muss das Original nach Bearbeitungsspuren untersucht werden. Anhand dieser können Rückschlüsse auf die Machart gezogen werden. Einfacher ist es, wenn das bestehende Werkstück zerlegt werden kann – so lassen sich die Geometrie sowie die Abwicklung einfacher nachvollziehen. Ich habe aber bewusst auf diesen Schritt verzichtet, damit der bestehende Türknauf in seiner Oberfläche und Struktur so bleibt, wie er ist.

Folgendes stellte ich bei der Untersuchung des bestehenden Knaufs fest: Der Schaft wurde in einem Gesenk geschmiedet und mit einem Holzgewinde und einem Schaft zum Vernieten versehen. Das bombierte Rondell wurde getrieben. Der Ringaufsatz wurde vermutlich gedreht, damit alles vernietet werden kann.

Als ich den Knauf untersucht hatte, zeichnete ich auf ein Pergamentpapier alle nötigen Linien für die Treibarbeit ein. Ich konnte nicht feststellen, ob die Linien ins Zentrum laufen oder als Tangente zum Loch geführt wurden, da dies unter dem Ringaufsatz nicht ersichtlich war. Zudem konnte ich nicht genau bestimmen, wie stark die Rondelle beim Treiben wächst.

Aus diesem Grund musste ich zuerst einen Versuch durchführen. Die Innenseite der Rondelle war flach, deshalb zog ich mit dem Meissel alle Linien nach und haute anschliessend mit dem Stemmer die Vertiefungen ein. Beim ersten Versuch stellte ich fest, dass die Linien als Tangente zum Loch geführt werden mussten und die Rondelle beim nächsten Versuch kleiner sein sollte. Also zeichnete ich alles nochmal um und machte einen zweiten Versuch. Mit dem Ergebnis dieses Versuchs war ich zufrieden. Damit ich die Kerben tiefer hineintreiben konnte, machte ich die Rondelle glühend für die Weiterbearbeitung. Die letzten Feinarbeiten machte ich mit der Feile. Anschliessend bombierte ich die Rondelle. Damit war der anspruchsvollste Teil der Arbeit erledigt.

Den Schaft und den Ringaufsatz fertigte ich auf der Drehbank. Als wichtigstes Werkzeug diente mir hier die Feile – für ein Einzelstück lohnt es sich nicht, ein Gesenk herzustellen. Danach bearbeitete ich die Einzelteile mit einem speziellen Werkzeug, dass es so aussah, als seien sie so alt wie das Original. Wie genau ich das gemacht habe, bleibt mein Geheimnis.

Original und Kopie sind kaum zu unterscheiden.

Zuletzt habe ich die Einzelteile mit Nieten zusammengebaut. Durch Schwarzbrennen und anschliessendes Bürsten mit der Drahtbürste bekam das Arbeitsstück die nötige Patina, damit es aussah wie das Original.

Der einzige Unterschied meiner Kopie zum Original ist, dass die Kopie eine normale Holzschraube erhalten hat, während das Muster ein zweigängiges Holzgewinde hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert