Die Feldbacher Bucht – einer der letzten naturnahen Uferabschnitte am Zürichsee

Lachenals Rebendolde ist eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenart. Die Feldbacher Bucht ist eine der wenigen Standorte in der Schweiz, wo sie noch häufig vorkommt.

Ein Beitrag von Roeland Kerst, Kantonaler Naturschutzbeauftragter für die Feldbacher Bucht.

In der Feldbacher Bucht liegt einer der wenigen noch naturnahen Uferbereiche am Zürichsee auf dem Gebiet des Kantons Zürich. Der grösste Teil der flachen Uferbereiche am Zürichsee wurde im 19. und Anfangs des 20. Jahrhunderts mit Erdmaterial aufgeschüttet und ist heute überbaut.

Hinter dem seenahen Schilfgürtel erstreckt sich das Flachmoor, das nur wenig über dem Seespiegel liegt.

Glücklicherweise blieb in der Feldbacher Bucht die für flache Ufer typische Abfolge der Vegetation erhalten: Im Seewasser stehend wächst ein schöner Schilfröhrichtbestand, landeinwärts wird dieser von typischen Vegetationstypen des Flachmoors wie Gross- und Kleinseggenried, Pfeifengraswiese und Hochstauden abgelöst. Das Flachmoor zeichnet sich durch hohe Grundwasserstände und einen torfigen Boden aus. Zahlreiche seltene Orchideenarten, der Kantige Lauch (Allium angulosum) und Lachenals Rebendolde (Oenanthe lachenalii), die vom Aussterben bedroht ist, wachsen hier.

Im Schilfgürtel brüten unter anderem Drosselrohrsänger, die Rohrammer und der Haubentaucher. Auch sieben Heuschreckenarten, die auf der Roten Liste stehen, leben in der Feldbacher Bucht. Kein Wunder also, ist das Flachmoor entlang des Ufers von nationaler Bedeutung. Seit 2005 steht die Feldbacher Bucht auch unter kantonalem Schutz. Was jedoch immer noch fehlt, ist eine seeseitige Seeschutzzone, die das Schilfufer mit seinen Vögeln vor Störungen durch Boote, Stand-Up-Paddles und Badende schützen sollte.

Das Flachmoor wird jährlich einmal im Herbst durch einen Landwirten gemäht. Die getrocknete Streu verwendet er als Bodenstreu im Stall. In den letzten Jahren erfolgten zahlreiche Aufwertungsmassnahmen im Flachmoor. So wurde vor gut zehn Jahren ein in der Vergangenheit mit Erdmaterial überschütteter Riedbereich mit einer Fläche von 6’500 m2 in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Auf dem Erdboden wurde eine Kammer aus dicken Ästen als Nistkammer für das Hermelin errichtet, darüber wurden dünnere Äste geschichtet.

Um das Flachmoor steht ein etwa 40 m breiter Wiesenstreifen ebenfalls unter Schutz. Dieser ungedüngte Wiesensteifen dient einerseits als Pufferzone gegen Nährstoffeintrag aus dem angrenzenden Landwirtschaftsland, anderseits soll sich dieser Bereich auch zur artenreichen Biodiversitätsfläche entwickeln. Diesen Winter wurden deshalb drei Holzbeigen mit Astmaterial vom angrenzenden, ausgelichteten Waldrand errichtet sowie Rosensträucher und ein erster kleiner Heckenabschnitt angepflanzt. Die Holzbeigen dienen als Strukturelemente und Lebensräume für Insekten und Kleinsäuger. So siedelt sich beispielsweise das Hermelin gern in Asthaufen an. In Zukunft soll sich die Wiese in eine artenreiche Blumenwiese mit einzelnen Heckenabschnitten und Strukturelementen entwickeln.

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