Erfassen, pflegen, zugänglich machen – das Projekt zum Erhalt der Lebensspuren

Bild: Martin Zeller

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

Vor einem halben Jahrhundert lagen die Lebensspuren der Familie Bühler noch unsortiert in den oberen Stockwerken des Oberhauses. In den Siebzigerjahren begann meine Grossmutter Rosmarie Bühler, die Lebensspuren zu sortieren, zu dokumentieren und zu präsentieren. Mit der Hilfe ihres Manns Albert, ihrer Kinder Annemarie und Stefan sowie weiteren Personen pflegte sie in den kommenden dreissig Jahren die Sammlung und machte sie mit Führungen für Gruppen und Privatpersonen zugänglich.

Nach dem Tod meiner Grossmutter konnte zur Pflege der Lebensspuren nur noch das Nötigste unternommen werden. Die Führungen wurden ganz eingestellt. Gleichzeitig nahm jedoch die Stiftung Erhalt Lebensspuren Oberhaus ihre Arbeit auf und gleiste ein Projekt auf mit dem Ziel, den Erhalt der Lebensspuren langfristig zu sichern und diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Projekt ist mittlerweile angelaufen und umfasst fünf Hauptpunkte:

1. Das handschriftliche Inventar, das meine Grossmutter angelegt hat, wird in eine digitale Datenbank überführt. Dazu wurden bereits 5’500 einzelne Inventarblätter eingescannt. Ihr Inhalt wird derzeit in eine Datenbank übertragen.

Zahlreiche Dokumente wurden letzten Herbst verpackt und ans Staatsarchiv übergeben.

2. Die relevanten Schriftstücke werden durch das Staatsarchiv des Kantons Zürich übernommen. Jene Dokumente, welche die über zweihundertjährige Geschichte der Familie Bühler und ihrer Verwandtschaft in all ihren Facetten dokumentieren, wurden letzten Herbst vom Staatsarchiv abgeholt (wir berichteten darüber in diesem Blogbeitrag). Das Staatsarchiv übernimmt diese Schriftstücke, um sie zu erhalten und für die Öffentlichkeit und die Forschung zugänglich zu machen. Wo nötig werden auch Dokumente restauriert. Von besonders wichtigen Exemplaren, die wir brauchen, um den Kontext von Objekten und Liegenschaften aufzuzeigen, werden Kopien angefertigt, die dann ins Oberhaus zu den Lebensspuren zurückkehren.

3. Die Lebensspuren werden verdichtet. Sie sollen nicht mehr das ganze Oberhaus belegen, sondern in den oberen drei Stockwerken Platz finden. Im Idealfall bleibt auch noch etwas Platz für Wechselausstellungen oder Workshops. Damit dies gelingen kann, muss einerseits ein Konzept zur verdichteten Lagerung der Lebensspuren erstellt werden, andererseits müssen Kriterien erarbeitet werden, anhand derer der Bestand gestrafft werden kann.

4. Die Lebensspuren werden gepflegt. Es muss eine grössere Pflegerunde durchgeführt werden, allenfalls auch mit der Hilfe von Experten. Ausserdem sollen Pflegeanweisungen erarbeitet werden, damit in regelmässigen Abständen weitere Pflegerunden durchgeführt werden können.

Projektleiterin Edith Werffeli wirft einen Blick in den Aussteuerschrank.

5. Damit die Lebensspuren der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden können, werden Führungsmodule zu unterschiedlichen Themen erarbeitet, anhand derer wir in Zukunft Besucherinnen und Besucher durch das Oberhaus führen können. Diese Führungen können beispielsweise Bauthemen, Frauenarbeit, Landwirtschaft oder das politische, religiöse und wirtschaftliche Leben der ländlichen Oberschicht behandeln.

Insbesondere zur Ausarbeitung der Punkte 3 bis 5 haben wir vor kurzem die Kulturanthropologin Edith Werffeli als Projektleiterin eingestellt (wir berichteten darüber in diesem Blogbeitrag). Wir gehen davon aus, dass wir die Lebensspuren im Sommer 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich machen können. Über Fortschritte im Projekt und seinen Teilbereichen werden wir auf diesem Blog laufend berichten.

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