Lebensspuren im Zwischenarchiv

Ein Beitrag von Thomas Neukom.

Im November 2021 haben wir vom Staatsarchiv, zusammen mit Stefan und Jonas Bühler, den «zweidimensionalen» Teil der Lebensspuren, der langfristig erhalten werden soll, eingepackt und nach Zürich überführt (vgl. Blogartikel vom 4.11.2021). Dabei handelt es sich um Akten, Bände, Hefte, Pläne, Urkunden, Fotos und weitere Dokumente zur Geschichte des Oberhauses und der damit verbundenen Familienmitglieder.

Gleich nach dem Ausladen der mehr als 80 Zügelschachteln und weiteren Behältnisse im Staatsarchiv hat eine unserer Spezialistinnen den Bestand konservatorisch kontrolliert. Dadurch sollte unmittelbar beim Eingang festgestellt werden, in welchem Zustand sich die neuen Archivalien befinden und welche Massnahmen ergriffen werden müssen. Bei dieser Kontrolle kann jeweils Verschiedenes zum Vorschein kommen: Verschmutzungen, Befall mit Schimmelpilzen, Tintenfrass (dabei frisst sich die Tinte im Lauf der Zeit durch das Dokument, sodass Löcher entstehen), mechanisch beschädigte Dokumente oder Einbände, von Zerfallsprozessen bedrohte oder bereits betroffene audiovisuelle Dokumente (Fotos, Dias, Negative, Tonbänder usw.).

Auch bei den Unterlagen, die jahrzehnte- und jahrhundertelang im Oberhaus aufbewahrt wurden, gibt es natürlich solche Befunde. Die meisten Massnahmen, um die ins Staatsarchiv übernommenen Unterlagen langfristig zu erhalten, können im Rahmen der systematischen Bearbeitung des Bestands erfolgen. Sofortmassnahmen waren zum Glück keine nötig. So haben wir keinen aktiven Schimmel und auch keine selbstentzündlichen Trägermaterialien von Fotos oder Filmen entdeckt. Andernfalls hätten diese Unterlagen sofort separiert und behandelt werden müssen.

In diesen Regalen werden die Lebensspuren zwischengelagert.

Nach der konservatorischen Kontrolle haben wir alles aus den Zügelschachteln genommen und in einer ersten provisorischen Ordnung in einem Zwischenarchivmagazin eingeräumt. Bereits im Oberhaus haben wir ja bewertet, was wir archivieren möchten und was nicht. Nun konnten wir noch einmal im Detail überprüfen, ob wirklich alles, was wir eingepackt haben, archivwürdig ist. Dabei haben wir noch wenige Unterlagen aussortiert, beispielsweise Doppel von bereits vorhandenen Fotos oder Glasplattennegative, die mit «schlechtes Bild» angeschrieben oder mit überhaupt keinen Inhalts- oder Zeitangaben versehen waren.

Anhand der provisorischen Ordnung in den Gestellen haben wir unser Ablieferungsverzeichnis komplettiert und insbesondere gemessen, welche Menge wir nun zu bearbeiten haben. Im Archiv geschieht dies typischerweise in Laufmetern. Der Bestand aus dem Oberhaus umfasst über 80 Lfm.

Damit sind die Arbeiten der Abteilung Überlieferungsbildung abgeschlossen. Bereits sind aber die beiden Abteilungen Beständeerhaltung und Aktenerschliessung am Werk. Sie setzen die oben erwähnten konservatorischen Massnahmen um und verzeichnen die Unterlagen so, dass sie am Schluss im Onlinekatalog des Staatsarchivs gefunden und in den Lesesaal bestellt werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.