Ein Müller und ein Hochstapler eröffnen eine Brauerei

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

Im Jahr 1836 gründete Hans-Heinrich Hürlimann zusammen mit zwei Freunden in Feldbach eine Brauerei. Hürlimann war der Besitzer der Mühle in Feldbach, die ursprünglich der Familie Bühler gehört hatte, und ein Cousin mütterlicherseits von Johann Jakob Bühler, der zu dieser Zeit im Oberhaus lebte.

Als Müller verstand Hans-Heinrich Hürlimann wenig vom Bierbrauen. Seine beiden Geschäftspartner waren leider auch nicht viel fachkundiger. Der eine war ein Arzt aus Hombrechtikon, der andere war als Baron Maximilian von Schenkenberg bekannt und lebte in Saus und Braus auf dem Goldenberg oberhalb von Feldbach. Genau diesem Baron überliess Hans-Heinrich Hürlimann, der die Hälfte des Startkapitals zur Verfügung gestellt hatte, die Leitung des Braubetriebs. Der Baron interessierte sich jedoch kaum für die Kunst des Bierbrauens. Er richtete lieber in den oberen Räumen des Brauhauses, das direkt gegenüber der Mühle am heutigen Kreisel steht, ein Gesellschaftshaus ein, das mit Billard-, Speise- und Tanzsaal zum Verweilen einlud.

Wie sich bald herausstellte, war der Baron nicht nur kein Bierbrauer, sondern auch gar kein Baron. Der vermeintliche Baron war ein Betrüger, der sein Vermögen über den Handel mit gefälschten Wechseln aufgebaut hatte. Als der Betrug aufflog und der Hochstapler floh, schaffte es Hans-Heinrich Hürlimann zwar, ihn zu stellen und einen Teil seiner Vermögenswerte zurückzuerhalten, so zum Beispiel die Villa Goldenberg. Die stark defizitäre Brauerei konnte er dadurch jedoch nicht retten. Nach wie vor verstand der Müller nichts vom Bierbrauen. Mehrere Male musste man das Bier in den Bach schütten, weil es so missraten war.

Die Lage besserte sich jedoch, als Sohn Albert Hürlimann in den Betrieb einstieg. Er hatte im deutschen Kempten eine Ausbildung zum Bierbrauer absolviert. Albert Hürlimann verkaufte die Brauerei in Feldbach jedoch bald, um 1866 in Zürich Enge eine neue Brauerei zu eröffnen. Das Brauhaus in Feldbach wurde noch eine Weile weiterbetrieben und war einer der Hauptgründe, dass Feldbach einen Bahnhof erhielt (mehr dazu in diesem Blogbeitrag). Der Betrieb wurde jedoch noch vor der Jahrhundertwende eingestellt. Heute weist ein Schriftzug an der Fassade auf die Geschichte des Gebäudes hin, im Erdgeschoss befindet sich zudem das nach dem Gründer der Brauerei benannte Restaurant Hans-Heiri.

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