Lebensspuren entfernen, um sie zu erhalten

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

In den letzten Tagen herrschte reges Treiben im Oberhaus. Früh am Montagmorgen fuhr ein Lastwagen vor und lud rund einhundert Kartonschachteln aus, die sodann auf die unteren drei Stockwerke des Oberhauses verteilt wurden. In diese Schachteln verpackten wir in den folgenden drei Tagen diverse Bücher, Briefe, Hefte, Pläne und weitere Schriftstücke aus dem Bestand der Lebensspuren. Nun stapeln sich die Schachteln im oberen Gang und warten darauf, dass der Lastwagen zurückkehrt und ihren Inhalt an seinen neuen Standort bringt.

Dieser neue Standort ist das Staatsarchiv des Kantons Zürich. Dieses übernimmt die Dokumente, um sie zu erhalten und für die Öffentlichkeit und die Forschung zugänglich zu machen. Wo nötig werden die Schriftstücke restauriert. Von besonders wichtigen Exemplaren, die wir brauchen, um den Kontext von Objekten und Liegenschaften aufzuzeigen, werden zudem Kopien angefertigt, die dann ins Oberhaus zu den Lebensspuren zurückkehren.

Begleitet wurde die Verpackungs-Aktion von Thomas Neukom, dem stellvertretenden Staatsarchivar. Er entschied, was eingepackt wurde und was hierbleibt. Das Staatsarchiv übernimmt nämlich nicht den gesamten Schriftbestand des Oberhauses, sondern nur die archivarisch interessanten Schriftstücke. Dabei handelt es sich um jene Dokumente, welche die über zweihundertjährige Geschichte der Familie Bühler und ihrer Verwandtschaft in all ihren Facetten dokumentieren – also Stammbäume, Kassabücher, Bauunterlagen und Pläne, aber auch Tagebücher, Fotoalben, Schulhefte und gedruckte Schriften, welche die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner des Oberhauses widerspiegeln.

Die Übergabe des Archivbestands an das Staatsarchiv ist ein erster grosser Schritt in einem umfassenderen Projekt mit dem Ziel, die Lebensspuren des Oberhaushofs zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Projekt wird durch den kantonalen Gemeinnützigen Fonds (ehemals Lotteriefonds) mitfinanziert. In diesem Projekt werden bald weitere Schritte folgen. Über das Projekt und die kommenden Schritte werden wir an dieser Stelle ebenfalls berichten.

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