Das Buch (7): «Räumung & Auszug aus dem Oberhaus»

Ein Beitrag von Elisabeth Joris und Martin Widmer.

Forschen und Recherchieren ist eine sehr zielgerichtete Arbeit und erfordert ein fokussiertes Vorgehen, um sich nicht in den Bergen von Quellen und der Flut von Informationen zu verlieren. Dabei hat aber auch immer der Zufall seine Hand im Spiel, dass plötzlich das Auge an einer Überschrift, einem Satz, einem einzelnen Wort hängen bleibt oder einem etwas in die Finger kommt, wonach man nicht gesucht hat. So sind wir auf ein Bündel herausgerissener Seiten aus einem Kassabuch gestossen, überschrieben mit «Räumung & Auszug aus dem Oberhaus». Sofort erkennen wir die spitze Handschrift von Hedwig Bühler-Boller, der Schwiegermutter von Rosmarie Bühler-Wildberger. 

Am 23. August 1960 notierte sie: «Morgens vor 8h ertönen die ersten Hammerschläge im Hauseingang unter der Treppe.» Das Hochparterre des Oberhauses wurde für das junge Paar Rosmarie und Albert umgebaut: eine neue Küche, eine neue Stube, ein kleines Badezimmer und ein Elternschlafzimmer. Dank einer neuen Glastüre gegen Süden sollte zudem mehr Licht in den tiefen Hausgang kommen. Als Erstes musste Hedwig Bühler-Boller schleunigst den Gang leeren und die barocke Windellade ausräumen sowie alle präparierten Gems- und Rehköpfe, die ausgestopften Füchse und Dachse sowie die Geweihe von Damhirschen wegräumen, die ihr Mann erlegt und als Trophäen dort aufgehängt hatte. 

Drei Seiten umfasst allein das Inventar des Salons mit allen Polstermöbeln, Bildern und dem Geschirr. Für das ovale Silbertablett, die silberne Konfektschüssel und «Mammas älteres Silberbesteck» fand Hedwig Bühler-Boller einen Platz im Kassenschrank. Sie und ihr Mann, der Hauptmann, zogen für die Umbauzeit in den Goldenberg um, ein privates Erholungsheim rund einen Kilometer vom Oberhaus entfernt Richtung Rapperswil. Nur ihr Feurich-Klavier, ein paar wenige Möbelstücke, Wäsche und Kleider und «Vaters schönes Kartenspiel», das er von seiner Schwester Bertha bekommen hatte, nahmen sie mit. 

Dank dem Inventar «Räumung & Auszug aus dem Oberhaus» von Hedwig Bühler-Boller wissen wir nun genau, was sich 1960 alles in der Küche und Speisekammer, im Salon, in der vorderen Stube, dem Esszimmer und in der hinteren Stube, dem alten Amtszimmer sowie im Chämmerli befunden hatte. Mit dieser zufällig gefundenen Auflistung haben wir vielleicht das Dokument in den Händen, das für Rosmarie Bühlers Museum als Grundlage diente.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.