Wie Feldbach zu seinem Bahnanschluss kam

Der Bahnhof Feldbach zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

Ende des letzten Jahrtausends schrieb mein Grossvater Albert Bühler für das Zürcher Taschenbuch einen Artikel mit dem Titel «100 Jahre rechtsufrige Zürichseebahn». Darin erzählte er die bewegte Geschichte vom Bau der Bahnlinie, die Feldbach seit 1894 mit Zürich verbindet. Seine Erzählung zeigt: Es hätte auch alles anders kommen können.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1871 im Restaurant Löwen in Meilen. Dort formierte sich eine Gesellschaft «für Begründung einer rechtsufrigen Zürichseebahn». Die Umsetzung des Bahnprojekts wurde einem Komitee aus Vertretern jeder Seegemeinde übertragen, dessen Leitung der Feldbacher Jakob Brennwald übernahm.

Der Kantonsingenieur Kaspar Wetli schlug noch im selben Jahr eine erste Linienführung vor. Diese führte direkt dem See entlang und hätte teilweise über Aufschüttungen realisiert werden sollen. Wäre dieser Plan umgesetzt worden, würde die Bahnlinie heute quer über das Land des Oberhaushofs führen und uns vom See abschneiden.

Zum Glück für uns kam es anders. Der mit dem Bau der Linie beauftragte Engländer floh vor Baubeginn ins Ausland, das Projekt wurde von Alfred Eschers Nordostbahn übernommen. Escher beauftragte seinen Oberingenieur, die Strecke neu zu beurteilen. Jener Oberingenieur verlegte daraufhin grosse Teile der geplanten Strecke an den Hang hinauf, weil das Land dort billiger war.

Arbeit am Viadukt bei Uerikon.

Ab Uerikon war die Linie vorerst jedoch noch immer dem See entlang geplant. Damit sollten sich zwei Viadukte einsparen lassen. Mitten in der Planung sank allerdings auf der anderen Seeseite das nah am Ufer gebaute Gleis beim Bahnhof Horgen ins Wasser ab. Nach diesem unschönen Vorfall schien es klüger, die Bahnlinie doch nicht zu nah am Wasser zu führen.

Diese Planänderung rief die Hombrechtiker auf den Plan. Wenn die Bahnlinie schon oben dem Hang entlang führe, argumentierten sie, dann solle auch der Bahnhof in Hombrechtikon zu stehen kommen, und nicht etwa im kleinen Feldbach. Bei einer Besichtigung gefielen den Planern aber die vielen Riedgebiete um Hombrechtikon gar nicht, die für den Bau der Linie hätten trockengelegt werden müssen. Ausserdem befand sich in Feldbach die Brauerei Hürlimann, von der man sich ein hohes Frachtvolumen erhoffte. So wurde der Bahnhof also in Feldbach gebaut, wo am 14. März 1894 der erste Dampfzug einfuhr.

Weder Jakob Brennwald, der Vorsitzende des Komitees, noch Kantonsingenieur Wetli erlebten übrigens die Eröffnung der von ihnen geplanten Bahn. Wetli übernahm Brennwalds Haus in Feldbach nach dessen Tod, starb jedoch selbst fünf Jahre vor der Eröffnung der Linie. Und die Brauerei Hürlimann zog bereits vier Jahre nach der Betriebsaufnahme der «Rechtsufrigen» nach Zürich und nahm ihre ganze schöne Fracht mit. Die Verbindung nach Zürich  hat Feldbach aber behalten können, und sie wurde über die Jahre mit der Einführung des «Arbeiterpullmans» in den 20er Jahren, dem Goldküstenexpress 1969 und der Zürcher S-Bahn 1989 immer weiter ausgebaut.

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