Das Buch (4): Die Recherchen im Fundus der Dokumente

Das lange Rechnungsbuch mit den Ein- und Ausgaben, das bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht.

Ein Beitrag von Martin Widmer und Elisabeth Joris.

Begonnen haben wir unsere Recherchen mit der Sichtung und Auswertung der vielen Dokumente. Sie befinden sich an ganz verschiedenen Orten des Hauses. So liegen in einer Schublade im Salon Rechnungsbücher aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, in den beiden Kästen links und rechts der Balkontüre Fotografien, Briefe, Pässe, Ansichtskarten, Heiratsanzeigen, Pläne von Scheunen, Brunnen, Strassen- und Eisenbahntrassees, Werbematerialien von der Viehzucht bis zu Kurhäusern aus halb Europa, und vieles, vieles mehr. Rechtlich bedeutsame Materialien, die handschriftlichen «Regesten», sind im kostbaren Sekretär des Zimmers mit dem Harmonium und den Jagdtrophäen deponiert, darunter Testamente, Pacht- und andere Verträge. Sie wurden bereits im Auftrag des Ehepaars Bühler-Wildberger vom Kunsthistoriker Albert Jörgen transkribiert und entschlüsselt, einige davon auch von Rosmarie Bühler-Wildberger selbst.

All diese Dokumente dienen uns zusammen mit den Objekten als Quellenmaterial zur Rekonstruktion der fast 300 Jahre dauernden Geschichte der Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, ob sie nun zur Familie Bühler gehörten oder angestellte Mägde und Knechte waren. Diese Schriftstücke Personen zuzuordnen, miteinander zu verknüpfen, Verbindungen zu erkennen, aber auch Bezüge zur Geschichte der Gemeinde Hombrechtikon, der Region und des Kantons herzustellen, das ist der spannende Teil der Recherche. Langsam enthüllen sich aus dieser Arbeit immer wieder neue Aspekte vom Alltag im Oberhaus. Wir erfahren, was gegessen, verkauft und auch geglaubt wurde. Es zeigen sich Beziehungen zwischen verschiedenen Familien, ebenso zu den Pächtern und Mietern von Häusern und Gütern der Bühler, zu Käufern von Vieh, Obst, Wein und Schnaps, zu reichen und armen Schuldnern, aber auch zu religiösen Gemeinschaften. So entsteht aus einzelnen Mosaiksteinchen allmählich ein Bild vom wirtschaftlichen, sozialen und politischen Leben aus drei Jahrhunderten, das weit über Feldbach hinausreicht.

Brief an Hedwig Boller aus Hinteregg von ihrer Mutter: Während Albert Bühler 1917 im Aktivdienst war, half seine Verlobte bereits vor der Heirat im Oberhaus in Feldbach aus, was ihre Mutter veranlasste, sie zu bitten, doch wieder mal nach Hause zu kommen.

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