Ein netter Nachbar

Ein Beitrag von Stefan Bühler.

Ganz unten am Seeufer, wo das Ried den Übergang zwischen Land und Wasser markiert, haben wir letzten Sommer eine Spur entdeckt. Unter dem Holzsteg hindurch, der zum Bootshaus führt, zieht sich ein ausgetrampelter Tierpfad. Er führt aus dem kleinen Waldstück zwischen den Feldern und dem See und verliert sich irgendwo im Schilf.

Als wir auf der Suche nach dem Ausgangspunkt dieses Pfads ins Dickicht des kleinen Waldstückes traten, das ursprünglich einmal als Park angelegt worden war, entdeckten wir zwischen ein paar alten Wurzeln einen Bau, der einem Fuchs oder einem Dachs hätte gehören können. Neben dem Bau lag frisch ausgeschaufelte Erde, und der Boden um den Eingang war aufgeräumt und sauber, was auf einen aktiven und reinlichen Bewohner hinwies.

Welches Tier diesen Bau und den zugehörigen Trampelpfad wohl angelegt hatte? War es ein Fuchs? Oder eher ein Dachs? Oder doch ein ganz anderes Tier? Ein Mieter des Bootshauses stellte uns eine Wildkamera zur Verfügung, damit wir unseren Nachbarn aus dem Wald kennenlernen konnten.

Die Wildkamera wurde beim Steg am Rand des Trampelpfads installiert, und schon bald schickte uns der Mieter ein Video, auf dem sich unser Nachbar zeigte. Auf der Video-Aufnahme stapft ein Fuchs mit eleganter Zeichnung durch das hohe Gras und das Schilf. Kurz vor der Kamera bleibt er stehen, sodass man sein schönes Fell bewundern kann.

Wahrscheinlich führt sein Weg zu einem Bächlein, das mein Grossvater Albert Bühler, seines Zeichens Landwirt, Jäger und Fischer aus Leidenschaft, in seinem Buch «Stilles Ufer» beschrieb. Anscheinend wandern die Fische im Sommer gern vom See ein wenig das Bächlein hinauf, wo das Wasser frischer und kühler ist, aber wo sie auch immer mal wieder von einem schlauen Fuchs abgepasst werden.

Im Buch beschreibt mein Grossvater den erbitterten nächtlichen Kampf zwischen einem Fuchs und einem Hecht, der den Fuchs letzten Endes zum Aufgeben zwang. Hechte findet man heute wohl nicht mehr im Bächlein. Aber die eine oder andere Delikatesse dürfte unserem Fuchs dort wohl schon noch in die Falle gehen …

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