Umbau und Umnutzung der Trotte

Bild: Gataric Fotografie

Ein Beitrag von Jonas Bühler.

Der Oberhaushof besteht nicht aus dem Oberhaus allein. Neben der Scheune und anderen Wirtschaftsgebäuden gehört auch die Trotte zum Ensemble des Hofes. Der Riegelbau zwischen Seestrasse und Oberhaus diente nach seiner Erbauung 1719 als Weinkelterei – im Dialekt «Trotte» genannt –, später als Lagerhaus. In einem hohen Raum im Erdgeschoss wurden die Trauben gepresst, die Stockwerke weiter oben wurden mit Getreide, Dünger oder Brennholz befüllt. Zuletzt befand sich eine Pächterwohnung in einem Obergeschoss der Trotte.

Während der Umbau des Oberhauses zu einem Bed & Breakfast  erst in Planung ist, wurde die Trotte bereits vor zwei Jahren zum Wohnen renoviert. Hinder Kalberer Architekten bauten fünf moderne Mietwohnungen im Hauptgebäude und eine Ferienmaisonette  im Anbau ein, die ab Dezember 2018 bezogen wurden. Der alte Trottenraum im Erdgeschoss wurde dabei nur sanft renoviert. Hier werden Lebensspuren der Hofgeschichte präsentiert: grosse Landwirtschaftsgeräte, Schlitten- und normale Kutschen, eine komplette Sattlerwerkstatt und eine landwirtschaftliche Schulungsausstellung mit detailliert geschnitzten Figuren und Gerätemodellen aus Holz und geschmiedetem Metall für die Landesausstellung 1914 in Bern.

Letzte Woche wurde die umgebaute Trotte vom Magazin Swiss Architects als Bau der Woche gewürdigt (Online-Beitrag vom 13. Februar). Hinder Kalberer schafften es, die teils schwer zu vereinbarenden Anforderungen von Denkmalpflege, Statik und Brandschutz zusammenzubringen und das Gebäude unter Beachtung der historischen Strukturen und Materialien zu modernisieren. Die neu verbauten Elemente widerspiegeln die Baukultur des alten Gebäudes und weisen in ihrer sachlichen Schlichtheit auf die Vergangenheit der Trotte als Ökonomiegebäude hin, in dem der praktische Nutzen der Architektur stets im Vordergrund stand.

Der Umbau der Trotte ist exemplarisch für den Umgang mit dem baulichen Erbe auf dem Oberhaushof. Die historische Bausubstanz soll erhalten und gepflegt werden, gleichzeitig aber auch genutzt und wiederbelebt werden. Die zur Verfügung stehenden Räume sollen dabei helfen, den Hof finanziell selbsttragend zu machen und damit auch den langfristigen Erhalt der Lebensspuren zu sichern.

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